Diagnostik

Psychologische Diagnostik

Am Anfang jeder Diagnostik steht das ausführliche ärztlich-psychotherapeutische Gespräch. Hier werden die aktuellen Beschwerden in den Zusammenhang mit dem bisherigen (Krankheits-)Verlauf, der aktuellen Lebenssituation und Lebensentwicklung gestellt. Ihr behandelnder Arzt wird Sie über die erweiterten Möglichkeiten der psychologischen Diagnostik gerne informieren.
In der Diagnostik gehen wir nach folgenden Prinzipien vor:

  • Die Diagnose psychischer Krankheitsbilder (z.B. Depression, Angststörung, Schizophrenie) erfolgt nach international anerkannten Kriterien auf der Grundlage des psychopathologischen Befundes und des Krankheitsverlaufs.
  • Dabei wissen wir, dass jede psychische Krankheit bei jedem Patienten eine sehr persönliche Ausgestaltung hat. Daher arbeiten wir nach einem ganzheitlichen Konzept und betonen den seelisch-körperlichen und sozialen Gesamtbezug.
  • Verhaltenstherapeutische Psychotherapie (Verhaltenstherapie, IPT) erfordert genaue vorherige Verhaltensanalysen: So werden zum Beispiel typische Situationen, Konflikte, Rollenwechsel und belastende Erlebnisse des Patienten im Detail besprochen. In speziellen strukturierten Interviews kann ein umfassenderes Bild der Persönlichkeit und der vorhandenen Ressourcen, Potentiale und Möglichkeiten gewonnen werden.
  • Tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie erfordern ein vertieftes Verständnis von psychologischen Entstehungs- und Auslösebedingungen: Daher wird ein Interview nach dem System des Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) durchgeführt. Ziel ist es dabei, über die eigentliche Diagnose hinaus (z.B. Depression, Angststörung) ein genaueres und individuell zugeschnittenes Bild des Patienten zu erhalten. Thematisiert werden dabei vor allem: die problematischen Beziehungen des Patienten zu anderen Menschen und seine Wünsche, Enttäuschungen und Befürchtungen im Rahmen der Lebensgeschichte. So ergeben sich wertvolle Informationen, die Ihnen und uns helfen, das aktuelle psychische Leiden besser zu verstehen und gezielter zu behandeln.
  • Manchmal sind auch Hirnfunktionen (z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Auffassung, Vorausplanen) beeinträchtigt: Dann kann eine neuropsychologische Diagnostik zur klinischen Differentialdiagnostik beitragen. Störungen der Gedächtnisfunktion können mit speziellen Testverfahren objektiv erfasst werden. Bei vielen Patienten ist die Frage nach der kognitiven Leistungsfähigkeit wichtig für die Beurteilung ihrer Belastbarkeit in Beruf oder Ausbildung gegebenenfalls führen wir ergänzend bildgebende Untersuchungen des Gehirns durch.
  • Zusammen mit dem Patienten wird ein gemeinsames Verständnis der Krankheit und ihrer Entstehung erarbeitet (Psychoedukation). Bei Behandlungsentscheidungen legen wir großen Wert auf die Abstimmung des Krankheitskonzepts und des Therapieplans mit dem Patienten (patient-shared decision making).

Körperliche Diagnostik

a) Abklärung und Mitbehandlung von körperlichen Krankheiten

Unsere Klinik hält ein hohes Maß an fachärztlicher Kompetenz auch in der somatischen Medizin vor:

  • Bei der Aufnahme erhält jeder Patient eine ausführliche körperliche Untersuchung. Klinisch-chemische Laboruntersuchungen und ein EKG gehören zu den Routineuntersuchungen.
  • Für die medizinische Diagnostik stehen im Neurozentrum modernste Geräte zur Verfügung (u.a. EEG, Sonografie, Dopplersonografie, Computertomografie, Magnetresonanztomografie).
  • Aufgrund der räumlichen Nähe zu praktisch allen medizinischen Fachkliniken der Universität können entsprechend notwendige Zusatzuntersuchungen problemlos und zeitnah erfolgen. Ebenso sind bei besonderen Indikationen aufwendige Funktionsuntersuchungen des Gehirns möglich, wie z.B. PET oder SPECT. Aufgrund dieser Möglichkeiten behandeln wir viele Patienten, die neben der psychischen Erkrankung auch an behandlungsbedürftigen körperlichen Erkrankungen leiden.
  • Die somatische Diagnostik und Therapie erfolgt in Abstimmung mit den anderen Klinkrn des UKB (Konsile, ggf. kurzfristige Verlegung in somatische Abteilungen).

b) Sicherheit der medikamentösen Therapie

Optimierung und Sicherheit sind zentrale Anliegen für eine qualitätsgesteuerte medikamentöse Therapie:

  • In unseren Behandlungsprogrammen gewährleisten regelmäßige Kontrollen von Nebenwirkungen (z.B. EKG-Kontrollen, klinisch-chemisches Routinelabor) die Arzneimittel-Sicherheit in der Therapie mit Psychopharmaka.
  • Die Optimierung des Behandlungserfolges und Kontrolle von Nebenwirkungen wird zudem über eine regelmäßige Plasmaspiegelüberwachung (d. i. Messung der Konzentration des pharmakologischen Wirkstoffs im Blut) im eigenen Labor ermöglicht: das TDM (Therapeutisches Drug Monitoring). Die Verstoffwechselung von Medikamenten unterliegt nämlich großen interindividuellen Schwankungen, die teils genetisch sein können, aber auch durch körperliche Erkrankungen (z.B. eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion) und Beikonsum von Nikotin oder Koffein beeinflusst werden. Die Überwachung der Plasmaspiegel erlaubt es, individuelle Überdosierungen (und damit Nebenwirkungen) sowie auch Unterdosierungen (und somit oft mangelnde Wirksamkeit der Medikamente) zu vermeiden. Sämtliche Leistungen im Rahmen des TDM unterliegen einem strengen Qualitätssicherungsverfahren im Labor.